Führen und Folgen! Das ABC jedes Tanzes!

Um was es da genau geht?

Ja das frage ich mich tatsächlich auch ab und zu :-).

Versteht man mal das FF, fühlt man die Freiheit jedes Tanzes!

Führen und Folgen. Das endlose Thema in den Paartänzen. Auch wurden sicher schon tausende von Blogs darüber geschrieben. 

Ich möchte dir meine eigene Sicht darüber mitteilen und die ganze Thematik aufzeigen, welche miteinander verbunden ist.

Welche Auswirkungen das Führen und Folgen, und nur das, auf den Tanz hat. Dass es nicht zwingend heissen muss, ein(e) gute(r) Tänzer*in ist automatisch auch ein(e) gute(r) Tänzer und dass ein wunderschöner Tanz oft mit der falschen Kommunikation in die Brüche geht. Viel zu oft…

Kommunikation

Genau so nennen wir das nun, die Kommunikation. Seit Jahrtausenden ist sie ein wichtiges Thema in der Menschheit. DIe Kommunikation, welche sich immer weiterentwickelte und durch die man tatsächlich erst überlebte.

Gehen wir noch weiter zurück in der Mentalitätsgeschichte:

Die Sprache

Die Sprache wird immer komplexer und jeder kann sie lernen.

Die Sprache ist die Gabe, Wörter nach bestimmten Regeln aneinanderzureihen und zu kombinieren. Erst dies ergibt einen Sinn und die Möglichkeit, sich mitzuteilen. Auch spielt die Interpretation der aneinandergereihten Wörter eine wichtige Rolle. Je nachdem wie sie angeordnet sind, ergeben sie einen anderen Sinn (dies nach philosophischer Ansicht).

Für den Menschen ist die Sprache ein nicht mehr wegzudenkendes Werkzeug. Durch die Sprache der letzten zig 1000 Jahren hat der Mensch sich enorm weiterentwickelt und gelernt. Sei es mit Symbolen oder in einer ausgesprochenen Form. Von Generation zu Generation wurden immer weiter Erfahrungswerte ausgetauscht. Der Mensch lernt und optimiert, auch heute noch…

Desto mehr sich die Sprache entwickelte und der Mensch gelernt hat, sich auszudrücken, desto schneller ging die allgemeine Entwicklung des Menschen voran. 

Durch das Erinnerungs- und Denkvermögen besteht dem Menschen die Möglichkeit, zu reflektieren, zu verstehen und zu lernen. 

Was können wir als Tänzer daraus schliessen?

Wenn theoretisch jeder die Sprache lernen kann, und man weiss, wie man sich zu verständigen hat, so dass es sein Gegenüber auch versteht, dann sollte dies wohl auch beim Tanzen möglich sein!

Natürlich nonverbal, mit taktiler Kommunikation.

Und wie bei jeder Sprache kann sie immer noch komplexer werden.

Da entsteht die Frage:

Muss sie denn beim Tanzen auch so komplex sein?

Nein, natürlich nicht.

Jedoch, je besser man den anderen versteht, desto mehr hat man das Gefühl von Gemeinschaft und Zugehörigkeit. 

Wie die Sprache für den Menschen ein unabdingliches Werkzeug für eine gute Gemeinschaft ist, ist es ebenfalls auch für den Tanz unentbehrlich. Nicht zuletzt auch, weil sie zum Wohlfühlen beiträgt.

Der Mensch erfand die Sprache in erster Linie zum Überleben. Zumal zeichnet die Sprache ganz klar ab, zu welcher Sippe man gehörte. Es gibt heute noch viele Stämme, die ihre eigene Sprache sprechen und solche, die auch immer wieder neue Sprachen erfinden. Nicht zuletzt auch aus dem Grund, um sich so besser vom Feind schützen zu können. 

Beim Tanzen fühlt man sich (in den meisten Fällen zumindest :-)), mit dem eigenen Partner am Wohlsten. Bestimmt hat dies mit Vertrauen und auch damit zu tun, dass man sich zum Partner am Meisten hingezogen fühlt. Die Person mit deren Sprache kennt und versteht!

Die Zugehörigkeit spielt in jeder Hinsicht eine wichtige Rolle.

Denken wir mal zurück an die Vielzahl von neuen Sprachen. Eine bekannte ist „Elbisch“ aus Herr der Ringe: 

J. R. R. Tolkien entwickelte für die von ihm geschaffene Mythologie zahlreiche teilweise fiktive, teils auch tatsächlich von ihm konstruierte Sprachen und Schriften. 

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Sprachen_und_Schriften_in_Tolkiens_Welt

Dies ging schlussendlich soweit, dass unzählige Fans von „Herr der Ringe“ die dazugehörende Sprache lernen wollten und sich sogar „elbische“ Zeichen tätowieren liessen.

Was zeigt uns das?

Dass der Mensch faktisch ein Herdentier bleibt, und immer weiter auf der Suche nach Gemeinschaften und Zugehörigkeiten ist.

Kommen wir auf das eigentliche Thema zurück:

Die Kommunikation beim Tanzen

Wir wissen nun, dass man sich mit dem eigenen Partner am Wohlsten fühlt und dass die Sprache sehr wichtig ist.

Doch entwickelt man sich tänzerisch weiter, wenn man immer mit dem gleichen Partner tanzt? Sozusagen immer die gleiche Sprache spricht? 

Was wir wissen: Die Herausforderung etwas Neues zu lernen oder besser zu werden in dem was man tut, hat man nur, wenn man sich dem auch immer wieder aussetzt.

Damit man auch beim Tanzen sich verständigen und schlussendlich ein wie oben erwähntes vertrautes Gefühl hervorrufen kann, braucht es zuerst eine Grundbasis – die Sprache. Man muss das Alphabet lernen. Man spricht bei dieser Sprache von Führen und Folgen – wie von mir kurz „FF“ genannt.

Natürlich funktioniert dies nur, wenn auch das Gegenüber dieses Alphabet lernt und schlussendlich auch in der gleichen Sprache spricht..

Das heisst, wenn der Leader das Führen lernt, hat das Gegenüber, der Follower, das Folgen zu lernen.

Oft kommt dies beides zu kurz. 

Verständlich. Hier ein paar Gedanken dazu:

  • Man lernt dies alles in einem Grundkurs (Tanzkurs für Beginner)
  • In erster Linie lernt man mal die Schritte und wie man sich miteinander im Paar zu einem Rhythmus bewegen sollte
  • Es kommt die Haltung und erste Figuren hinzu
  • Seit der ersten Tanzstunde wird einem gezeigt, wie man die Figuren führt, respektiv die Führung abnimmt Nun hat man die ersten Schwierigkeiten, da man selber noch mit den eigenen Schritten beschäftigt ist
  • Die Koordination muss geübt werden (dazu komme ich später)
  • Der/Die Partner*in hat vielleicht schon mal getanzt und weiss, wie die Figuren funktionieren. Der/Die Partner*in möchte helfen und geht alleine in die Figur, ohne geführt zu werden
  • Man möchte in einem Gruppenkurs nicht auffallen und schaut einfach mal, dass man im Schritt & Rhythmus bleibt, und die Figuren somit „abtanzt“. Es entsteht ein Gedicht, kein Gespräch. Viel mehr ein Theater, welches man spielt.

Und bereits da geht einer der wichtigsten Aspekte eines schönen Tanzes unter – die Kommunikation im Paar!

Dies ist leider viel zu oft der Grund, weshalb das Tanzen auf lange Sicht nicht so Spass macht, wie es eigentlich sollte. 

Da man „nur“ die Figuren ablauft und sich dadurch nicht auf eine Konversation einlassen kann, ist es ein ständiges Auswendiglernen.

Die Retter

Nun kommen die Tanzlehrer ins Spiel!

Setzt man sich gleich zu Beginn mit dem „FF“ auseinander, was bestimmt nicht der einfachere Weg ist, springt jedoch viel schneller der Funke des Paartanzens über.

Dies fordert – viel Geduld! Ich weiss…

  • Einerseits vom Führenden (Leader), der die Koordination trainieren sollte
  • Andererseits vom Folgenden (Follower), der viel Geduld mitbringen muss!

(Das sind die Stärken eines guten Followers und ich verneige mich vor jedem, der dies kann! Ich persönlich habe lange gebraucht um es zu verstehen.)

 

Es gibt kein richtig oder falsch, nur ein besser!

Die Social-Tänze

Es gibt Tänze, die funktionieren nur über die Kommunikation. Da wird viel Wert auf das „FF“ gelegt.

Die sogenannten Social-Tänze. Dieser Ausdruck hat sicher jeder schon mal gehört.

Hier einige Beispiele:

  • Tango Argentino
  • Lindy Hop
  • Boogie Woogie
  • Balboa
  • Salsa 
  • West Coast Swing

Das sind übrigens auch die Tänze, bei welchen man eigentlich nur mit Partnerwechsel arbeitet. Eben aus diesem Grund.

Jeder Tanz erzählt seine eigene Geschichte. Jeder Tanz ist eine Konversation. Findet sie nicht statt, fühlt sich auch der Tanz nicht gut an. 

Mit jedem Tanz findet eine neue Kommunikation statt. Jeder hat eine andere Sprache und jeder Tänzer seinen eigenen Dialekt. Wenn man es sich zur Aufgabe macht, die Sprache des anderen zu verstehen und Antwort geben zu können, dann hat man es verstanden. Man fühlt den Tanz, fühlt sich wohl und jeder Tanz, ja sogar ein Tanz mit einem Anfänger, wird zum Abenteuer!

Wie oft hört man als Tanzlehrer*in: Mit dir funktioniert es! 

Das hat jedoch nicht mit der Tanz-Technik an sich zu tun, sondern eher, wie gut man in nonverbalen Kommunikation ist und wie man kommuniziert.

Kann man laufen, kann man tanzen. Man muss nur gewisse Grundlagen verstehen und schon geht es los.

Was hat Tanzen mit der Sprache an sich zu tun?

Auch in der verbalen Kommunikation gibt es verschiedene Wege. Hatte man das Vergnügen bei einem Sprech- und Sprachcoach, weiss man, was das besagt.

Jeder kennt die Situation, wenn man im Alltag in eine verbale Notlage gerät. In einem Erklärungsnotstand ist und/oder  man sich einfach unsicher fühlt. Jeder reagiert in so einer Lage anders:

Hier einige Bespiele:

  • Die einen lassen es lieber sein und verkriechen sich.
  • Die anderen werden laut.
  • Wieder andere fangen an zu schwitzen, stottern oder werden einfach ganz leise.

Genau das Gleiche passiert beim Tanzen. Die Unsicherheit in den Grundkursen ist enorm. Es sei denn, man macht ihn zum 2. oder zum 3. Mal.

Bei den Leadern passiert zum Beispiel Folgendes:

  • Er führt zu grob
  • Er führt gar nicht
  • Er fängt an zu schwitzen
  • Es ist im unwohl.

Und so weiter…

Gerade dies möchten wir verhindern. Man soll sich beim Tanzen wohl fühlen. Auch als Anfänger die „FF“ – Sprache beherrschen und es sich zu Herzen nehmen. Es wird einfacher.

Kann man falsch Führen oder Folgen? Ich denke eher nicht.

Aus genau solchen Situationen (wenn etwas schief geht oder die Kommunikation anders interpretiert wird), können ganz tolle Tänze, kreative Figuren und schöne Variationen entstehen. Mann muss nur lernen, damit umzugehen.

Und alles kann man trainieren! Auch ist es nie zu spät! 

Führen = Koordination

Wir haben festgelegt, dass „FF“ ausschliesslich Koordination ist.

Was heisst das?

  • Bewegungen mit hoher Präzision und in Feinabstimmung mit anderen Bewegungen ausführen
  • Kurze Reaktionszeiten auf Signale
  • Räumliche Orientierungsfähigkeit
  • Rhythmus- und Gleichgewichtsfähigkeit

Quelle: https://www.planet-wissen.de/natur/anatomie_des_menschen/bewegung_muskeln_ausdauer_koordination/pwiemotorikundkoordination100.html

Auch hier noch eine sehr empfehlenswerte Seite zum Lesen:

https://www.schweitzer.tirol/blog/fitness/warum-ist-koordination-wichtig

Hat man dies verstanden, ist es der Beginn einer wunderschönen Reise!

 

Das Schöne am Ganzen ist; man ist nie ausgelernt: So ganz nach dem Motto:

Je mehr ich weiss, desto mehr weiß ich, dass ich nicht(s) weiß.

Sokrates, Einstein oder doch Manfred Hinrich? Wer weiss das schon?

Folgen

Mein Lieblingsthema… Ich sag jetzt nicht, dass dies schwieriger ist und versuche mich immer wieder vom Gegenteil zu überzeugen.

Was ist den Folgen?

Ganz klar – fühlen, auf das Gegenüber eingehen, warten und zuhören. Und genau DAS, ist die Lebensaufgabe eines jeden Followers. 

Denn, sprichst du nicht gerne auch mit Menschen, welche dir zuhören?

Oder bist du eher eine Person, welche seinen Gegenübern immer die Wörter aus dem Mund zieht, sie unterbricht und vorweg nimmt, was sie eigentlich sagen wollten? Natürlich nicht – so möchte niemand sein, oder?

Das heisst, ganz wichtig für den Follower – zuhören und antworten!

Auch die Tanzsprache entwickelt sich fortlaufend weiter. Nichts auf der Welt bleibt bestehen wie es ist. Alles verändert sich.

Und dies mitunter ist einer der Hauptgrunde, weshalb Paartanzen nie langweilig wird. Es ist so abwechslungsreich und es lohnt sich alleweil, dran zu bleiben!

Viele gute Tänzer*innen steigen nochmals in Grundkurse ein. Entweder um sich weiterzubilden, es von Grund auf nochmals zu lernen oder einfach um zu zuhören, ob sich was geändert hat. 

Durch die Sicherheit der Schritte ist man als fortgeschrittene(r) Tänzer*in oft empfänglicher. Vor allem um die kleinen Details aufnehmen zu können. 

Sätze wie; das habe ich noch nie gehört, oder, ah jetzt verstehe ich – gehören zum Alltag! 

Es ist nie zu spät!

Ich hoffe, nun ein bisschen einen Einblick in dieses komplexe Thema gegeben zu haben. 

Dieser Blog ist lang geworden, ich weiss. Jedoch hat es in meinen Augen gerade dieses Thema verdient, sich ordentlich mit ihm auseinanderzusetzen.

Von Herzen wünsche ich dir nun ganz viel Spass in deinen Tanzlektionen!

Bei deinen zukünftigen Konversationen; nonverbale, taktile, einfühlsame, entspannende, interessante, reizende, neugierige, manchmal vielleicht auch plumpe, aber mit Bestimmtheit viel Spass verbundenen Tanzabenteuer!

Lass dich Führen und Folgen und genieße das Abenteuer!

Marilyn